Ne, jetzt keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern ein Erfahrungsbericht...
Wie ich dazu gekommen bin, was über unsere lustigen grauen Eminenzen zu schreiben, ganz einfach, weil sie mich ab und zu in den Wahnsinn treiben.
Also der Deerhound an und für sich zeigt ja schon eine gewisse Sturheit, oder netter ausgedrückt, er ist sehr zielorientiert.
Mit dem älter werden nimmt selbige auch deutlich zu und es gilt nur noch eine Meinung, die des Deerhounds, immer und ausschließlich. Keine Diskussion, wenn hund links rum will, geht es links rum oder der arme Hund kann sich kaum mehr bewegen und schleppt sich mühsamst dahin - außer man nimmt die vorgegebene Route und aus dem schlurfenden Senior wird wieder ein rüstiger Rentner.
Und wenn mensch mit beiden geht, sprich mit Birog und Quentin, braucht er lange Arme, weil beide ja grundsätzlich diametral entgegengesetzte Grashälme ausgiebig studieren müssen.
Das gute an dem gesetzteren Deerhound ist, er ist stets ableinbar und bleibt in der Nähe. Das heißt aber nicht, dass sie auf Ruf heraneilen, nein Birog findet das ätsch- bätsch –fang- mich –doch- Spiel auch mit fast zehn Jahren noch extrem lustig und Quentin hat dann immer die temporäre Taubheit, wenn er noch nicht jeden einzelnen Grashalm begutachtet hat.
Aber in dem Moment, wenn die beiden ihre täglichen narrischen fünf Minuten haben und über die Wiesen toben, ist ihnen alles verziehen, diese Lebensfreude ist einfach genial und der beste Tagesbeginn, den mensch haben kann.
Tja und dann gibt es noch diese Tage, an denen Birog, zwar seit zwei Jahren vom Sport verabschiedet, dennoch mal eben drei Kilometer über die Wiesen jagt, über Gräben setzt und in Scheunen verschwindet und einen nur mitleidsvoll anschaut, wenn man endlich völlig außer Puste an der Scheune eintrifft. Ja, ich weiß, dass ich mit 80 Jahren, nicht mehr 3km Vollgas daher rennen werde...
Den Unterschied zum jüngeren Deerhound sieht man nur am nächsten Tag, wenn Birog etwas steifer läuft als die Jugend.
Quentin lässt solche Aktionen lieber aus, er weiß um seine Konstitution.
Tja das waren erst mal die Besonderheiten beim täglichen Spaziergang- dazu kommen noch die Hausschrullen....
Und die sind auch nicht ohne.
Die neue tolle Couch fürs bessere Sitzen im Alter (Mensch) ist der neue tolle 22h Aufenthaltsort für Birog. Sie war als allerstes drauf, also ist es auch ausschließlich ihre Couch! Ist doch so was von logisch, oder?!?
Quentin hat sich im Laufe der Jahre die feste Überzeugung zugelegt, dass durch penetrantes Bellen alles zu ihm kommt, Lekkerlies, Wasser, Fressen, die Knuddeldecke und wer hält wohl länger durch? Der Bellende oder der Mensch, der das zu ignorieren versucht (im Hinterkopf wohl um die Gefahr der intermittierenden Verstärkung wissend)?
Und dann gibt es noch das Faltendings: Kann sich ein älterer Deerhound, der ja wenn er liegt, dieses durchaus gerne länger macht, auf eine Decke legen, die unordentlich ist, sprich eine klitzekleine Falte hat? Nein, da muss der arme alte sieche Hund gaaanz traurig schauend neben dem auserkorenen Liegeplatz stehen und leise vor sich hin fiepen, ob der sträflichen Vernachlässigung. Noch schlimmer ist es, wenn keine Frottee Biberbettwäsche aufgezogen ist – das geht gar nicht, Bequemlichkeit im Alter ist des Deerhounds Grundrecht.
Und wehe der gwohnte Tagesblauf wird unterbrochen, da werden aus altersweise dreinschauenden grauen Eminenzen beleidigte Sauertöpfe. Wenn der Tagesablauf durcheinander gerät, wird das höchstens toleriert, wenn das die Herrschaften selbst so gewollt haben. Zum Beispiel stehen die Grauen frühestens um halb zehn auf, wenn es regnet. Da bekommt mensch um halb sechs nur pikierte Blicke zugeworfen und keiner regt sich. Aber wehe man lässt sie nicht um halb sechs raus, weil verschlafen wurde, dann darfste wischen.
Zu guter Letzt der ältere Deerhound und die Gesundheit
Beide tragen bei schlechtem Wetter für ältere Knochen und Gelenke natürlich ihre Mäntel und bekommen auch Zusatzpülverchen gegen die Arthrose. Die Herz U-Schall Intervalle sind bei den beiden halbjährig, Zahnstein und überhaupt Zähne werden strengstens kontrolliert, Krallen regelmäßig gekürzt, grad bei den älteren sind die Krallen der äußersten Zehen immer schnell zu lang. Beide haben natürlich regelmäßig einen Gesundheitscheck mit Schwerpunkt auf die Zipperlein im Alter. Fressen gibt’s das übliche, das Spezialtrockenfutter für ältere Herrschaften wurde von beiden empört zurückgewiesen.
Ich sag ja, auch der Hund ist nur so alt, wie er sich fühlt.....
In diesem Sinne
Frohe Ostern!!!
Wünschen Birog und Quentin und auch alle anderen zahlreichen Redbrooks
Der Deerhound im Alter
Freitag, 30. März 2018